Der Lusen gehört zu den schönsten Gipfeln, die der Böhmerwald zu bieten hat. Stolz erhebt er sich auf eine Höhe von 1.373 Metern über dem Meeresspiegel, und seine Form erinnert an eine Pyramide. Im Laufe der Jahrhunderte erhielt der Berg zahlreiche geheimnisvolle Beinamen. Manche nennen ihn den „Verwunschenen Berg“, andere wiederum das „Werk des Teufels“. Eine uralte Sage erzählt von Satan, den die Goldgräber aus Kašperské Hory bis auf den Gipfel des Lusen vertrieben haben sollen. Vor Zorn habe er die Erde mit solcher Gewalt aufgerissen, dass sich ein gewaltiger Strom aus Felsen vom Berg löste. Einer der Steine traf eine unschuldige Seele – einen halbblinden Schneider, der sich hier verirrt hatte. Seit jener Zeit soll es Brauch gewesen sein, einen Trauerkranz auf den Gipfel zu tragen. Eine andere Legende berichtet wiederum von Teufeln und Dämonen, die in der nahegelegenen Schlucht Teufelsloch, den „Teufelslöchern“, gehaust haben sollen. Ihr Ziel sei es gewesen, die gesamte Stadt Passau auszulöschen, indem sie die Donau aufstauten. Als sie jedoch einen Wagen voller Felsen heranschafften, erklang plötzlich die Glocke einer Kirche und trieb sie zurück in die Hölle. Der Wagen zerbrach, und die verstreuten Steine blieben als gewaltiges Blockmeer zurück, das bis heute den Berg bedeckt. So soll der einzigartige Gipfel des Lusen mit dem größten Blockmeer des Böhmerwaldes entstanden sein. Bemerkenswert ist zudem, dass einst ein Zweig des sogenannten Goldenen Steigs am Lusen vorbeiführte – jener berühmten Handelsroute, die Böhmen mit Bayern verband. Ebenso soll sich hier ein uralter Wachposten befunden haben (nach dem Průvodce po Šumavě von Tomáš Cimrhanzl aus dem Jahr 1878). Vielleicht verbirgt sich hinter den alten Legenden also doch ein wahrer Kern. Der Goldrausch im Böhmerwald begann etwa im 13. Jahrhundert, als deutsche Siedler in die Gegend von Kašperské Hory kamen. Sahen sie auf dem Gipfel des Lusen die Ruinen einer längst vergessenen Siedlung? Schwer zu sagen. Archäologische Funde in der Gegend von Modrava bei der Javoří pila deuten eher auf eine zeitweilige Jäger- und Sammlerkultur hin. Doch lange vor den mittelalterlichen Goldsuchern förderten bereits die Kelten das Gold des Böhmerwaldes. Vielleicht inspirierte gerade dies eine weitere alte und ausgesprochen blutige Sage aus Deutschland. Seit Urzeiten sollen im Böhmerwald Riesen gelebt haben, die hier ihre Burg besaßen. Als Hochzeitsgeschenk errichtete ihr Herrscher seiner Tochter auf dem Gipfel des Lusen ein weiteres Schloss. Zugleich schenkte er ihr einen Schutzgeist, der im Inneren des Berges wohnen sollte. Doch die Tochter war keineswegs sanftmütig. Ihre größte Freude bestand darin, Menschenkinder zu verfolgen, zu quälen und heidnischen Göttern zu opfern. Der Geist warnte sie vor dem Fluch, den sie dadurch über sich brachte, doch die blutrünstige Riesin hörte nicht auf ihn. Eines Tages veranstaltete sie zu Ehren eines heidnischen Festes ein prächtiges Gelage. Als Opfer wählte sie zwölf unschuldige Menschen, die sie vor den Augen ihrer amüsierten Gäste zu Tode prügeln ließ. In diesem Augenblick erschütterte ein gewaltiger Donnerschlag den Berg, und das Schloss stürzte ein. Die herabfallenden Felsen begruben das blutige Massaker mitsamt der Riesin und ihren Gästen. Als schließlich Stille einkehrte, erschien der Schutzgeist in den Ruinen und belegte den Ort mit einem Fluch. Seit jener Zeit gilt der Gipfel des Lusen als unfruchtbar. Der Lusen ist zugleich auch ein verbotener Berg. Unweit unterhalb seines Gipfels befindet sich der Grenzübergang Modrý sloup. Dieser Name stammt erst aus dem 19. Jahrhundert, als das Königreich Bayern hier seine Grenze markieren ließ und einen weiß-blauen Grenzpfahl errichtete. Der Überlieferung nach stand an diesem Ort einst sogar ein Galgen – genau auf der Grenzlinie. Er bestand aus zwei Pfählen mit einem Querbalken, von denen einer auf böhmischer und der andere auf bayerischer Seite stand. Wurde hier ein Dieb gefasst, brachte man ihn sofort zu diesem Galgen und ließ ihn von den gerade vorbeiziehenden Kaufleuten richten. Sein Leichnam soll dort so lange gehangen haben, bis er von selbst zerfiel. Bei einem solchen Bild verwundert es kaum, dass sich um den Lusen so viele düstere Legenden ranken. Der Galgen diente zugleich als Warnung für die Säumer, die hier frisches Brot erwerben konnten – allerdings nur gegen Bezahlung in eine kleine Kasse neben der Herberge, die an diesem Ort bis Anfang des 20. Jahrhunderts gestanden haben soll. Nachdem Kaiser Joseph I. den Salzimport aus Bayern verboten hatte, verfiel die Gegend in Einsamkeit. Die alten Handelswege nutzten später Schmuggler, um elegant den Zollposten von Bučina zu umgehen. Der Grenzübergang blieb bis zum Zweiten Weltkrieg geöffnet. Danach verschloss ihn der Eiserne Vorhang, heute wiederum ist das Gebiet wegen des Auerhahns geschützt. Der Berg selbst bleibt jedoch von deutscher Seite aus erreichbar, etwa von Neuschönau aus. Besucher können zwischen einem Sommer- und einem Winterweg wählen. Beide Routen sind recht anspruchsvoll, und im Winter sind Grödel oder Spikes nahezu unverzichtbar – ohne sie wird der Aufstieg schnell zu einem unvergesslichen Abenteuer. Wer den Rundweg nimmt, begegnet unweigerlich einer gläsernen Arche, geschaffen von deutschen Glasmachern. Sie ruht in einer hölzernen Hand, die von tschechischen Zimmerleuten gefertigt wurde – ein Symbol der Versöhnung und Zusammenarbeit beider Nationen. Unweit unterhalb des Gipfels befindet sich außerdem eine Berghütte, in der man sich stärken kann, bevor sich der Blick über die endlosen Wälder des Böhmerwaldes bis hin zu den Alpen öffnet.

Die Goldgräberzeit im Böhmerwald brach etwa im 13. Jahrhundert aus, als deutsche Siedler in die Gegend von Kašperské Hory kamen. Sahen sie auf dem Gipfel des Lusen die Ruinen einer alten Siedlung? Schwer zu sagen. Archäologische Funde in der Gegend von Modrava bei der Javoří pila deuten eher auf eine zeitweilige Jäger- und Sammlerkultur hin, also auf eine nur vorübergehende Besiedlung zur Sicherung des Lebensunterhalts. Doch es ist belegt, dass bereits lange vor den mittelalterlichen Goldsuchern die Kelten das gelbe Metall des Böhmerwaldes förderten. Vielleicht inspirierte gerade dies eine weitere alte und ausgesprochen blutige Sage aus Deutschland. Seit Urzeiten sollen im Böhmerwald Riesen gelebt haben, die hier ihre Burg besaßen. Als Hochzeitsgeschenk errichtete ihr Herrscher seiner Tochter auf dem Gipfel des Lusen ein weiteres Schloss. Zugleich schenkte er ihr einen Schutzgeist, der im Inneren des Berges wohnen sollte. Doch die Tochter war keineswegs eine zerbrechliche Blume. Ihre größte Freude bestand darin, Menschenkinder zu verfolgen, sie grausam zu quälen und den heidnischen Göttern zu opfern. Der Geist versuchte sie vor dem Fluch zu warnen, den sie damit auf sich lud, doch die blutrünstige Bestie ließ sich nicht davon abbringen. Eines Tages, im Rahmen eines weiteren Festes, veranstaltete sie ein prächtiges Gelage. Als Opfer wählte sie zwölf unschuldige Menschen, die sie vor den Augen ihrer amüsierten Gäste zu Tode prügeln ließ. In diesem Augenblick erschütterte ein gewaltiger Donnerschlag den Berg, und die Burg zerbrach in sich. Die herabstürzenden Felsen begruben das blutige Massaker mitsamt der Riesin und ihren Gästen. Als schließlich Stille einkehrte, erschien der Schutzgeist in den Ruinen und belegte den Ort mit einem Fluch. Seit jener Zeit gilt der Gipfel des Lusen als unfruchtbar.


Der Lusen ist zudem auch ein verbotener Berg. Nur wenige Schritte unterhalb seines Gipfels befindet sich der Grenzübergang Modrý sloup. Dieser Name stammt erst aus dem 19. Jahrhundert, als das Königreich Bayern hier seine Grenzen markierte und einen traditionell weiß-blauen Grenzpfahl errichten ließ (Quelle: Internet). Der Überlieferung nach soll an dieser Stelle einst sogar ein Galgen gestanden haben – genau dort, wo die Grenze verlief. Er bestand aus zwei Pfählen mit einem Querbalken, von denen einer auf böhmischer und der andere auf bayerischer Seite stand. Wurde hier ein Dieb gefasst, brachte man ihn unmittelbar zu diesem Galgen und stellte ihn dort vor die gerade vorbeiziehenden Kaufleute. Sein Körper soll so lange dort gehangen haben, bis er sich von selbst auflöste. Bei einem solchen Bild verwundert es kaum, dass sich um den Lusen so viele Legenden ranken. Der Galgen diente zugleich als Warnung für die Säumer. Ihnen stand hier frisches Brot zur Verfügung, das jedoch in eine kleine Kasse neben der Hütte bezahlt werden musste, die hier bis Anfang des 20. Jahrhunderts gestanden haben soll. Nachdem Kaiser Josef I. den Salzimport aus Bayern verboten hatte, verfiel dieser Ort in Einsamkeit. Die alten Handelswege wurden später von Schmugglern genutzt, die so elegant den Zollposten in Bučina umgingen. Der Grenzübergang selbst blieb bis zum Zweiten Weltkrieg in Betrieb. Danach wurde er durch den Eisernen Vorhang geschlossen und ist heute erneut – diesmal aus Gründen des Auerwildschutzes – gesperrt. Der Berg selbst ist jedoch von deutscher Seite aus zugänglich, etwa von Neuschönau aus. Zur Auswahl stehen ein Sommer- und ein Winterweg. Beide Routen sind recht anspruchsvoll, und im Winter werden Grödel oder Spikes dringend empfohlen. Ohne sie wird der Aufstieg schnell zu einer unvergesslichen Erfahrung. Wer die Rundtour wählt, wird unweigerlich auf eine gläserne Arche treffen, geschaffen von deutschen Glasmachern. Sie ruht in einer hölzernen Hand, die von tschechischen Zimmerleuten gefertigt wurde – ein Symbol der Versöhnung und Zusammenarbeit. Nur wenige Schritte unterhalb des Gipfels des Lusen befindet sich zudem eine Berghütte, in der man sich stärken kann, bevor sich der Blick über die atemberaubenden Panoramen bis hin zu den Alpen öffnet.