Eines der ältesten Völker, die einen erotischen Kult praktizierten, waren die Thraker. Ihren Namen sollen sie einem Heerführer namens Maximilian der Thraker verdanken. Zu den bekanntesten Thrakern zählen Spartacus und Orpheus. Der orphische Mythos ist in der Region der Rhodopen bis heute lebendig, und eine Statue dieses Gottes überblickt noch immer die Stadt Kardzhali. Thrakien erstreckte sich teilweise über das Gebiet des heutigen Bulgarien, Griechenlands und der Türkei und ist buchstäblich durchzogen von geheimnisvollen Höhlen, die als Heiligtümer erotischer Rituale dienten. So legte ich mein „Opfer“ auf den Altar der Wissenschaft und machte mich auf den Weg in den Osten Bulgariens, zu den geheimnisvollen Rhodopen, die die fünftausend Jahre alte thrakische Stadt Perperikon bergen – zu Recht als das „europäische Machu Picchu“ bezeichnet.
So packte ich, als eine angehende Abenteurerin, meinen Rucksack und stieg in den Bus nach Bulgarien. Es gelang mir tatsächlich, bis nach Kardzhali zu gelangen (bis heute frage ich mich, wie – ich habe mich bereits in Prag verirrt). Die Stadt dient als Ausgangspunkt für weitere Ausflüge in das Rhodopengebirge. Ich mietete mir einen kleinen Bungalow im Dorf Stremsi, und das Erste, was mich nach der langen Reise interessierte, war die Frage, wo sich eigentlich das berühmte Perperikon befindet. Bevor ich mich richtig orientieren konnte, war ich bereits auf einer gut ausgebauten Asphaltstraße unterwegs – auf dem Weg zu diesem bulgarischen Wunder, meinem ersten Ziel, um herauszufinden, wer die Thraker eigentlich waren. Überraschenderweise arbeiten in den umliegenden Dörfern ausschließlich Frauen. Ich verstand sofort, dass allzu viel Fotografieren und neugieriges Beobachten der Einheimischen hier nicht gern gesehen ist. Auf jedem Dorfplatz erhebt sich zudem eine Moschee. Die Bevölkerung der Region Kardzhali ist überwiegend muslimisch. Die Menschen vor Ort überraschten mich jedoch positiv, denn sie nahmen mich ohne Zögern ein Stück mit – und das sogar, ohne dass ich überhaupt versucht hätte zu trampen.
Perperikon wurde von den Thrakern in den Fels eines hohen Berges gehauen und ist schon von weitem sichtbar. Steht man jedoch direkt unterhalb des Hanges, würde man die Anlage kaum durch das dichte Waldgeflecht erkennen. Der gesamte Komplex ist so groß, dass es mich etwa drei Stunden kostete, ihn zu durchqueren. In seiner Erscheinung erinnert er tatsächlich an Machu Picchu und ist überhaupt ein Juwel der bulgarischen Berge – was die Bulgaren selbstverständlich zu nutzen wissen. Gleich am Eingang wird ein kleines Eintrittsgeld erhoben, und der Parkplatz ist von Ständen mit rituellen Talismane gesäumt. Die Preise sind dabei überraschend niedrig, für unsere Verhältnisse sogar unterdurchschnittlich, sodass hier ein reger Handel herrscht. Der Genius loci dieses Ortes ist unübersehbar. Genau hier wurde in den Fels ein Tempel des Gottes Dionysos gehauen, an dem Alexander dem Großen einst geweissagt worden sein soll, dass er die damals bekannte Welt beherrschen werde. Das Panorama vom Gipfel der zweistöckigen Stadt ist märchenhaft schön, mit Worten kaum zu beschreiben, weshalb ich schließlich dazu überging, mich der Fotogalerie zu bedienen. Als ich dort stand, auf dem Gipfel meines Traums, fragte ich mich, ob die Thraker vielleicht irgendeine Verbindung zu unseren Kelten haben könnten. Es war nur eine vage Vorstellung, ein flüchtiges Bild...
- Perperikon
Doch es bestand kein Zusammenhang, und so setzte ich meinen Hut auf und machte mich auf den Weg, weiter zu forschen.


















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