Jeder, der Primorsko besucht, sollte den wunderschönen Naturpark Ropotamo nicht versäumen. Seinen Namen trägt er nach dem Fluss, der sich durch diese Landschaft schlängelt, und zugleich nach einer schönen Prinzessin, über die sich die Einheimischen bis heute eine Legende erzählen. Die Prinzessin hatte sich in einen armen jungen Mann verliebt, doch ihr Vater stellte sich dieser Verbindung entschieden entgegen. Den beiden blieb schließlich nichts anderes übrig, als zu fliehen. Der Vater war darüber natürlich außer sich vor Zorn und ließ überall nach ihnen suchen. Doch die Prinzessin besaß magische Kräfte, sodass all seine Bemühungen vergeblich blieben. In ihrer Verzweiflung verwandelte sie sich schließlich in eine Hirschkuh und ihren Geliebten in ein junges Kitz. Der Vater vergoss in seinem Schmerz unzählige Tränen, die sich später zu einem Fluss sammelten, der bis heute den Namen Ropotamo trägt.
Eine noch bessere Geschichte erzählen die jüngeren bulgarischen Zeitläufte. Ein kommunistischer Machthaber, Todor Christov Živkov, ließ dieses Naturschutzgebiet bis in die 1990er Jahre hinein für die Öffentlichkeit sperren. Angeblich wollte er hier ein privates Reservat einrichten – oder hatte es möglicherweise bereits eingerichtet. Am Ende gelang ihm dieses Vorhaben jedoch nicht, und heute ist der Park wieder für alle zugänglich. Die Gründe für dieses Verhalten interessierten mich, doch ich musste gar nicht erst nachfragen. Sie waren auf den ersten Blick offensichtlich (siehe Abbildung).
Die kultische erotische Stätte, die der Park Ropotamo verbirgt, ist mittlerweile recht bekannt. Sie trägt den Namen Beglik Taš und wird gelegentlich auch als „bulgarisches Stonehenge“ bezeichnet. Das Erste, was meine Aufmerksamkeit erregte, war die außergewöhnlich hohe Konzentration an Phallusdarstellungen. Und auch Utroba. Bulgarien besitzt nämlich zwei Höhlen dieses Namens, und es war mir offenbar bestimmt, beide zu sehen. Zwar handelte es sich dabei um reinen Zufall – als angehende Abenteurerin weiß ich meist selbst nicht genau, wohin mich mein Weg führt –, doch es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Hier soll sich eine weitere „königliche Vereinigung“ vollzogen haben, die symbolische Verbindung der Sonne mit der Großen Mutter. Pikant daran ist, dass der gesamte Ritus von einem Priester überwacht wurde, der auf einem steinernen Thron saß, errichtet vor dem Areal, auf dem sich das heilige Geschehen vollzog.
In vier in den Fels gehauene Vertiefungen wurden bereits vor dem Ritual heilige Flüssigkeiten gegossen – Olivenöl, der Überlieferung nach auch Wasser, Milch und Wein, wobei Letzteres sich kaum hätte entzünden lassen. Diese Flüssigkeiten wurden anschließend entzündet. Nicht weniger bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Anordnung dieser Vertiefungen der Plejaden im Sternbild des Stiers entspricht.
Das Ritual fand vermutlich in der Nacht bis zum Morgen statt, denn nach der rituellen Vereinigung musste es zur „Befruchtung“ der Utroba II kommen – und dafür ist, wie bereits bekannt, ein Sonnenstrahl erforderlich.

Der als „Herz“ bezeichnete Stein war vorsorglich markiert und gezielt so behauen, dass ein durch ihn hindurchfallender Sonnenstrahl den darunterliegenden Durchlass erreichen konnte.
Um das Bild zu vervollständigen, errichteten die Thraker hier zudem eine Sonnenuhr, von der sich bis heute ein Fragment erhalten hat.
Das Tor, das Sie unten sehen, ist ein Initiationstor. Ähnlich wie etwa auf der Burg Obří hrad in Böhmerwald, diente es dazu, dass jene hindurchschreiten konnten, die den Mut besitzen, die Grenze zur anderen Welt zu berühren.













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